Elling: Ausblick auf das Paradies

18. März 2006 von Thomas G. Tempel
Elling, zweiunddreißigjähriger Frührentner, hat sich das Leben nach dem Tod seiner Mutter ganz gut eingerichtet: Im Zentrum steht seine heimliche Liebe zur norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, er sammelt und archiviert alles, was über sie in der Zeitung steht. Gelegentlich ausbrechende erotische Phantasien sind ihm eher peinlich. Außerdem hat er sich ein teures Fernglas gekauft. Wenn er das auf den Nachbarblock richtet, kann er Abend für Abend verfolgen, was sich hinter den erleuchteten Fenstern abspielt, reichlich Stoff für Geschichten, Lebensläufe und ausgedachte Ereignisse. Doch Ellings Phantasien werden immer absurder, seine Spekulationen immer abenteuerlicher, die Realität kommt ihm immer mehr abhanden, zuletzt steht das Sozialamt vor der Tür.
Ingvar Ambjörnsen verheimlicht nicht, dass in diesem komischen und hinterhältigen Roman ein wenig Hitchcock grüßen lässt. Mit sanfter Perfidie steigert er die Irritation der Geschichte zum beklemmenden Finale.

Ingvar Ambjörnsen, geboren 1956 in Tomsberg/ Südnorwegen, absolvierte seine »informelle« Ausbildung zum Schriftsteller als Schriftsetzer, Gärtner, Fabrikarbeiter und Pfleger der Psychiatrie. Ambjörnsen lebt seit 1985 in Hamburg und hat über zwanzig Romane veröffentlicht. 1996 erhielt er den hoch dotierten Preis des norwegischen Buchhandels und 1999 den renommierten »Riksmalpris«.

Pressestimmen
LZ Lüneburg 26.09.2005: „…ein Charakterbild, das Thomas Ney in fesselnder Dichte und Präzision darstellt. 90 Minuten hält Ney die Spannung.”
Süddeutsche Zeitung: „In Ambjörnsens Roman besticht neben dem Feuerwerk der Sprache die Präzision der Wahrnehmung und besonders die wissend menschenfreundliche Solidarität des Autors mit seinen Figuren.“

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